MIGG

Im September 2007 hat die Bundesregierung mit dem „Aktionsplan II der Bundesregierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen“ ein Handlungskonzept vorgelegt mit Antworten auf die aktuellen Herausforderungen zum Schutz der von Gewalt betroffenen Frauen und ihren Kindern. Ein zentraler Handlungsschwerpunkt des Aktionsplans ist der Gesundheitsbereich. Nach den positiven Erfahrungen im klinischen Bereich hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Aktionsplans II das Modellprojekt „Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen“ (MIGG) zur angemessenen Unterstützung von gewaltbelasteten Frauen in der ambulanten medizinischen Versorgung auf den Weg gebracht und gefördert.

Das Modellprojekt „Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen“ (MIGG) mit einer Laufzeit von drei Jahren (2008 bis 2011) richtete sich an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Sie wurden unterstützt beim Erkennen und Ansprechen der Folgen von Gewalt, der gerichtssicheren Dokumentation und dem fachlichen Umgang mit gewaltbelasteten Patientinnen in ihrer Praxis.
Ziel des dreijährigen und an fünf Standorten durchgeführten Projekts war vor allem die Einführung und Erprobung eines Interventionsprogrammes zur Schulung und Sensibilisierung von Ärztinnen und Ärzten in niedergelassenen Praxen. Darüber hinaus wurde die wichtige Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen ambulanter ärztlicher Versorgung und den regional bestehenden Frauennotrufen und Interventionsstellen erprobt.

Projektträger waren das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf an den Standorten Düsseldorf, Kiel und München, Signal e.V. (Berlin) und das GESINE-Netzwerk (Ennepe-Ruhr-Kreis).

Medizinerinnen und Mediziner können viel tun, um gewaltbetroffenen Frauen zu helfen. Sie können dazu beitragen, langfristige Gesundheitsfolgen ihrer Patientinnen zu vermeiden oder zu lindern. Das Projekt MIGG zeigt neue Wege der gesundheitlichen Versorgung bei Diagnose, Behandlung, gerichtsfester Dokumentation von Gewaltfolgen sowie bei der Vermittlung von Unterstützungsangeboten auf. Die wichtigsten Ergebnisse des Projektes wurden im abschließend herausgearbeiteten Implementierungsleitfaden zusammengefasst.

Implementierungsleitfaden zur Einführung der Interventionsstandards in die medizinische Versorgung von Frauen

Der Implementierungsleitfaden fasst mögliche Aktivitäten zur Einführung der Interventionsstandards in die medizinische Versorgung von Frauen zusammen. Er stellt eine Art Drehbuch mit konkreten Anregungen, vielen Beispielen aus dem Modellprojekt sowie nützlichen Adressen und Links dar. Der Implementierungsleitfaden richtet sich an Einrichtungen der Hilfeinfrastruktur, an Einrichtungen im Gesundheitswesen, an kommunale Gleichstellungsbüros, an regionale Netzwerke sowie an Praxen engagierter Ärzte und Ärztinnen.